An sechs von elf Hitzetagen mit amtlicher Hitzewarnung war Bad Kreuznach unter den Top10 der heißesten Städte in ganz Deutschland. Das ist kein Schicksalsschlag, sondern menschliches Versagen.
Bad Kreuznach – 28.06.2026
Die außergewöhnliche Hitzewelle im Juni hat deutschlandweit neue Temperaturrekorde aufgestellt. Besonders betroffen war Bad Kreuznach: Am deutschlandweit heißesten Junitag seit Beginn der Aufzeichnungen wurde in der Stadt eine Höchsttemperatur von 40,7 °C gemessen. Damit war Bad Kreuznach die drittheißeste Stadt Deutschlands. Am Samstag wurden sogar Temperaturhöchstwerte von 41°C in der Stadt erreicht. In Rheinland-Pfalz war es an diesem Tag nur in Andernach und in Trier-Zewen heißer. Aber auch über den gesamten Verlauf der aktuellen Hitzewelle hinweg zählt Bad Kreuznach zu den bundesweiten Hotspots. Seit Beginn der Hitzewelle am 18. Juni – gemessen an den amtlichen Hitzewarnungen durch den Deutschen Wetterdienst (DWD) – gehörte die Stadt insgesamt sechsmal zu den Top10 der heißesten Städte in ganz Deutschland. Tatsächlich begonnen hatte die Hitzewelle aber bereits am 17.Juni mit einem Temperaturhöchstwert von 31,6°C in Bad Kreuznach.
Die extremen Temperaturen treffen auf eine Stadt, die nach aktuellen Untersuchungen nur unzureichend auf die zunehmende Hitze vorbereitet ist. Im Hitzecheck 2026 der Deutschen Umwelthilfe (DUH) wird Bad Kreuznach eine mangelhafte Anpassung an Hitze bescheinigt. Als wesentliche Ursachen werden eine zu geringe Begrünung sowie ein hoher Anteil versiegelter Flächen genannt. Fehlende Bäume, Grünflächen und schattenspendende Bereiche führen dazu, dass sich Straßen, Plätze und Gebäude besonders stark aufheizen und die Temperaturen auch nachts nur langsam sinken. Im Vergleich zum Hitzecheck 2025 hat sich die Stadt damit noch einmal deutlich verschlechtert.
Meteorologisch ist die aktuelle Hitzewelle auf ein blockiertes Wetterphänomen zurückzuführen, das als „Hitzeglocke“ oder „Heat Dome“ bezeichnet wird. Dabei wird ein Hochdruckgebiet zwischen zwei Tiefdruckgebieten eingeschlossen. Die heiße Luft wird wie unter einem Deckel festgehalten und zum Boden gedrückt. Dabei lösen sich Wolken auf, sodass die Sonneneinstrahlung den Boden ungehindert erwärmen kann. Der Heat Dome erstreckte sich im Juni über weite Teile Europas – von Spanien und Frankreich über Deutschland bis nach Großbritannien – und sorgte vielerorts für außergewöhnlich hohe Temperaturen. Die Klimakrise sorgt dafür, dass Hitzewellen häufiger, intensiver und extremer werden. Gleichzeitig nehmen Wetterextreme insgesamt zu. Nach langen Hitzeperioden können sich schwere Hitzegewitter bilden, die zu einer deutlich höheren Luftfeuchtigkeit führen. Hohe Luftfeuchtigkeit erschwert die natürliche Kühlung des Körpers über das Schwitzen erheblich und erhöht damit das gesundheitliche Risiko zusätzlich. Besonders gefährdet sind „vulnerable Gruppen“ – also Menschen, die aufgrund von Erkrankungen, ihres Alters oder ihrer Lebensumstände, etwa Wohnungslosigkeit, Krisen stärker ausgesetzt sind als andere. Doch extreme Hitze stellt längst nicht mehr nur für diese Personengruppen eine Gefahr dar.
Die aktuellen Rekordtemperaturen verdeutlichen einmal mehr die Bedeutung von konsequentem Klimaschutz. Doch extreme Höchsttemperaturen in Bad Kreuznach weckten auch in den Jahren zuvor bereits Aufmerksamkeit: So wurde am 30.6.2019 eine Lufttemperatur (im Schatten, in 2 Meter Höhe) von 38,9 Grad als Rekordwert überregional beachtet. Das ist für viele Menschen belastend und gesundheitsgefährdend. Wach gerüttelt hat das die Stadtverwaltung aber nicht. Was konkret ist muss nun auf Stadtebene geschehen?
Mehr blau-grüne Infrastrukturen fordern und ausbauen zum Beispiel. Außerdem eine Stadtklimaanalyse mit Erhebung der heißen und kühleren Orte als Fortsetzung der Hitzebefragung 2024, mit der Feststellung von Stadtgebieten, wo sich die Menschen und besonders gefährdeten „vulnerablen Gruppen“ aufhalten. Auch die Einstellung eines koordinierenden Klimaanpassungsmanagements sowie die Planung eines kommunalen, inklusiven Hitzeanpassungsplans wie in anderen Städten; Eine langjährige Forderung der Hitze-AG und der Klimagemeinschaft Bad Kreuznach.
Nicht zuletzt die drängende Bekanntmachung und der Einsatz von vorhandenen Fördermitteln für Stadtbewohner:innen aus dem KIPKI-Programm des Landes (Kommunales Investitionsprogramm für Klimaschutz und Innovation), damit man selbst Baumpflanzungen, Entsiegelungen, Wasserzisternen, Fassadenbegrünungen an und vor dem Haus, im Garten oder auf einer nachbarschaftlich gestalteten Fläche vornehmen und umsetzen kann. Für eine solche Bürger:innen-Beteiligung werben auch andere Gruppen in der Klimagemeinschaft Bad Kreuznach wie die AG Mehr Grün in der Stadt, die Omas for Future oder eine Mobilitäts-Gruppe zum Parking-Day und mehr.





